„Eigentlich weiß man nur, wenn man wenig weiß. Mit dem Wissen wächst der Zweifel.“

Johann Wolfgang von Goethe

Nicht alles, was in Notfall- und Krisensituationen gut gemeint sein mag, erleben Betroffene als wirklich hilfreich. Manche Interventionen können womöglich sogar eher schaden als nutzen. Deshalb ist es mir wichtig, das eigene Handeln stets kritisch zu reflektieren und so gut wie möglich empirisch zu begründen. Gemeinsam mit vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen war und bin ich daher auch an einer Reihe von Forschungsprojekten zur Psychosozialen Notfallversorgung und zur Notfallpädagogik beteiligt. Eine Auswahl dieser Projekte wird nachfolgend vorgestellt.

Forschungsprojekt „Kind und Katastrophe“
Im Auftrag des Bundesinnenministeriums bzw. des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe leite ich derzeit das Projekt „Kind und Katastrophe“ (KiKat). Darin geht es um die Psychosoziale Notfallversorgung für Kinder und Jugendliche in komplexen Gefahren- und Schadenslagen, z. B. Terrorakte, Amokläufe an Schulen oder Schulbusunfälle. Gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen Verena Blank-Gorki und Ann-Katrin Fegert interviewen wir Betroffene, Psychosoziale Akuthelfer und weitere Experten aus diesem Feld. Wir analysieren Einsatz- und Ausbildungspläne und geben abschließend Empfehlungen für den Bund, die Länder und die Einsatzorganisationen ab, um Hilfeleistungskonzepte und Unterstützungsangebote empirisch begründet weiterzuentwickeln. Die Planungskizze zu diesem Projekt (Laufzeit von 2016 bis 2019) kann hier heruntergeladen werden:

Forschungsprojekt „PSNV nach Winnenden und Wendlingen“
Von 2012 bis 2015 habe ich im Auftrag des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe an der Evaluation der Psychosozialen Notfallversorgung in Winnenden und Wendlingen mitgearbeitet. Gemeinsam mit den Kolleginnen Dr. Jutta Helmerichs und Verena Blank-Gorki haben wir in unserem Team untersucht, wie die Hilfeleistung abgelaufen ist und welche Maßnahmen wann, wie und von wem durchgeführt worden sind. Der Projektbericht ist in der Schriftenreihe „Forschung im Bevölkerungsschutz“ erschienen und kann beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe kostenlos angefordert werden.

Einzelfallstudie „Schulbusunfall“
Nach einem schweren Schulbusunfall in Gummersbach 2011 hatte ich die Gelegenheit, die Kinder und Jugendlichen, die in dem verunglückten Bus gesessen haben, ausführlich zu interviewen. Aus den Ergebnissen dieser Befragungen ließen sich viele sehr konkrete Hinweise darauf ableiten, wie ein psychosoziales Einsatzmanagement idealerweise gestaltet werden sollte. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse des Forschungsprojektes in der Zeitschrift „Notarzt“ (Jahrgang 31, S. 82-92):

Projektbegleitendes Engagement
Unabhängig von meinen eigenen Studien war bzw. bin ich als Experte, Beirat, externer Mitarbeiter oder Gutachter in diverse weitere Forschungsprojekte involviert, u. a. in die folgenden:

  • Forschungsprojekt „Entwicklung von Qualitätsindikatoren in der Katastrophenmedizin“ (QUARZ-SAND) unter der Leitung von Dr. Daniel Bläser am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.
  • Forschungsprojekt „Bildungsatlas Bevölkerungsschutz: Pädagogische Neukonzeption der Aus- und Fortbildung im Bevölkerungsschutz“ unter der Leitung von Prof. Dr. Lars Gerhold an der Freien Universität Berlin.
  • Forschungsprojekt „Rettung, Hilfe und Kultur: Interkulturelle Kompetenz im Bevölkerungsschutz“ unter der Leitung von Prof. Dr. Silke Schmidt an der Universität Greifswald.
  • Forschungsprojekt „Atlas Verwundbarkeit und Resilienz“ unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Fekete (TH Köln) und Dr. Gabriele Hufschmidt (Universität Bonn).
  • Forschungsprojekt „European Network for Psychosocial Crisis Management – Assisting Disabled in Case of Disaster – Implementation“ (EUNAD-IP), von 2013 bis 2017 koordiniert vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.
  • Nationale Konsensuskonferenz zur Psychosozialen Notfallversorgung, von 2007 bis 2010 moderiert vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Weitere Aufgaben und Arbeiten
Darüber hinaus haben mich in den letzten Jahren folgende Themen beschäftigt:

  • Entwicklung von Grundzügen eines Menschenbildes des Bevölkerungsschutzes, d. h. eines „homo calamitatem comprehendens“ (2018).
  • Erarbeitung eines gemeinsamen Didaktischen Konzeptes für die „Standardisierte Ausbildung von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern bei den Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen“ (StAN) (2017).
  • Etablierung der Veranstaltungsreihe „Forum Bevölkerungsschutzpädagogik“ an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz des Bundes in Bad Neuenahr-Ahrweiker, gemeinsam mit Thomas Mitschke (seit 2016).
  • Erarbeitung von „Sozialkompetenzalgorithmen“ als Grundlage eines Sozialkompetenztrainings für angehende Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter (seit 2016).
  • Konzeption eines Weiterbildungscurriculums zur Klinischen Krisenintervention (KKIT) (2016).
  • Mitwirkung bei der Entwicklung des Rahmenlehrplanes für die Ausbildung von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern in Nordrhein-Westfalen (2015).
  • Etablierung der Veranstaltungsreihe „Lernfeld Rettungsdienst“ an der MSH Medical School Hamburg, gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Runggaldier (seit 2014).
  • Konzeption und Evaluation einer „Inhouse Security Party“ als innovativer Beitrag zur Stärkung der Selbsthilfekompetenz (2012).
  • Kooperationspartner im Präventionsrat der Stadt Gelsenkirchen (PräGe) (seit 2011).
  • Entwicklung einer „Stärke und Ausstattungsnachweisung“ (STAN) für Kräfte der Psychosozialen Notfallversorgung (2011).
  • Mitwirkung in der Zentralen Übungssteuerung (ZÜSt) der vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe koordinierten, länderübergreifenden Krisenmanagement-Übung „LüKEX“ (2011).
  • Entwicklung einer speziellen „Notfall- bzw. Bevölkerungsschutzpädagogik“ zu einer eigenständigen Subdisziplin der Erziehungswissenschaft (seit 2010).
  • Entwicklung einer Theorie von „Notfall“ und „Rettung“ als Orientierungshilfe für didaktisches Handeln (seit 2010).
  • Erarbeitung eines „Einsatzstrukturmodells“ als Grundlage systematischer Einsatzevaluationen (2010).
  • Leitung der kommunalen Koordinierungsstelle „Loveparade-Nachsorge“ in Mülheim an der Ruhr (2010).
  • Koordination eines interkommunalen Einsatznachsorgeteams für Feuerwehren, Rettungsdienste und die Polizei in Essen, Duisburg, Mülheim an der Ruhr und Wuppertal (2005 bis 2010).
  • Erarbeitung von Grundzügen einer Fach- bzw. Berufsfelddidaktik für die Ausbildung von Einsatzkräften im Rettungsdienst (seit 2004).
  • Erarbeitung von multiprofessionell-systemisch ausgerichteten Praxiskonzepten zur Psychischen Ersten Hilfe sowie zur Psychosozialen Akuthilfe für Kinder und Jugendliche in Notfallsituationen (seit 1999).